Was mir die Freimaurerei als Gesellen gebracht hat, und was ich von einem Bruder dritten Grades erwarte.

Als Br. Martin mich vor einigen Jahren zum ersten mal zur Aufnahme und der Tempelarbeit unserer lieben Brüder mitnahm, fühlte ich mich dort - ungeachtet meiner Sprach- und Hörprobleme - unmittelbar zu Hause.
Wie die meisten Menschen war auch ich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem rechten Weg zum Licht höherer Erkenntnis.
In meinen jüngeren Jahren wusste ich kaum etwas über die Freimaurerei. Im nordnorwegischem Volksmund betrachtete man sie als exklusiven, von Akademikern und wohlhabenden Leuten betriebenen -Klub-.

Nun aber zu dem ersten meiner zwei zu bearbeitenden Themen heute:

Meine frühesten Lebenserfahrungen machte ich während des zweiten Weltkrieges. unter Besetzung und Bombardements, als Samisches Kind, gemobbt von der norwegischen Sprachmajorität, fast am Ende der Welt, weit oben im Norden, jedoch mit einem fortschrittlich denkenden und gütigen Vater, der die Bedeutung von Lernen und  Wissen, sowie die Notwendigkeit von und das Bedürfnis nach höherem Streben verstand.
Ohne von den Idealen der Freimaurerei zu wissen, lebte er sie im wahrsten Sinne des Wortes, und vererbte mir so durch sein hohes ethisches Verhalten eine äußerst wertvolle Basis für mein weiteres Leben.
Ich wurde schon in jungen Jahren ein Suchender, aber es sollte fast ein ganzes Leben dauern bis ich bei euch, geliebte Brüder, meine wahre geistige Heimat fand.
Die Aufnahme in eure Brudergemeinschaft und eure verständnisvolle, liebe Hilfe brachten mir deshalb viel Freude, und als Lehrling - und dann als Geselle -versuchte ich mich in den Idealen unserer Loge - und im Gedanken an meinen gütigen Vater - bewusst weiterzuentwickeln. Bald lernte ich, wie ihr eure Pflichten als Gleiche unter Gleichen schätzt und fördert, und trachtete, es euch gleich zu tun.
So hämmerte ich nun als Geselle - mit wachsender Einsicht - eifrig weiter an meinem noch recht rauen Stein, um ihn - im Gedanken an das zwar nicht erreichbare höchste Ziel - stetig arbeitend, zu veredeln, damit er sich - zusammen mit all den anderen brüderlichen Elementen - als wertvoller Baustein zu unserer symbolischen Bauhütte erweise.
Das Behauen meines rauen Steins. bedeutet für mich ein An – mich -selbst -Nähern, ein In –mich - Gehen, meine Fehler zu erkennen, den Willen meine Charakterzüge kritisch zu betrachten, eigene Mängel und Fehler zu sehen und zu korrigieren, im Sinne unser Tradition von Offenheit, Toleranz, Gerechtigkeit und wahrer Brüderlichkeit. Die symbolischen Werkzeuge unser Bauhütte, sowie die Tempelarbeit im brüderlichen Zusammensein  mit euch, geliebte Brüder, helfen mir auf meinem Wege zu innerem Wachstum und besserer Selbsterkenntnis, und der Hoffnung, mich als würdiger Bruder in eurer Mitte zu bewähren.

 

Es ist mir eine große Ehre und Freude, als Geselle ein schaffendes Glied in eurer Bruderkette sein zu dürfen, und das Zusammensein mit euch, geliebte Brüder, sowie die Arbeit im Tempel, helfen mir, meine Pflichten des ethischen Strebens nach Höherem als Freimaurer zu erfüllen. Wenn ich auch nicht immer alle Worte verstehen kann, ich bin dennoch glücklich und dankbar und fühle eine tiefe innere Zugehörigkeit zu eurer Gemeinschaft von Brüdern und unseren gemeinsamen Idealen.

 

Und nun  zur Frage – was ich von einem Bruder dritten Grades erwarte-.

 

Da der Freimaurerbund eine Gesellschaft von freien Menschen ist, die mit ehrlichen Absichten und in brüderlichen Formen menschliche Vollkommenheit  sucht, verbindet uns – in allen Graden – das Grundlegende: wir erstreben alle eine sittliche Veredelung unseres Inneren zum Besten der Menschheit.

Auch den dritten Grad sehe ich als Weiterführung der als Lehrling und Geselle begonnenen ethischen Arbeit, Auch der Meister befindet sich noch auf seiner Reise, dem Wege zu einer Vollkommenheit – die auch er nur anstreben – aber nie erreichen kann.

Der dritte Grad bringt eine Intensivierung unserer Verpflichtung mit sich, einer höheren sittlichen Norm in unserem Tun und Handeln Ausdruck zu verleihen. Mit tieferer Einsicht und Wachsamkeit meisselt der Meister an seinem rauen Stein, der nun wohl schon etwas besser zurechtgeschliffen ist als in seiner Lehrlings– oder Gesellenzeit, und ihm sicher Freude bringt, jedes Mal wenn er eine Unebenheit geglättet hat.

Jetzt aber muss seine Arbeit – in dem ihm von Mutter Natur zugeteilten Tempo und Fähigkeiten – nach bestem Wissen und Gewissen – ausführen dürfen. So kommt jeder mit Vernunft und wachsender Einsicht immer ein Stückchen weiter des Weges.

Denn der  WEG  zu höheren inneren Werten ist unser eigentliches Ziel.

Unsere Werkzeuge helfen uns dabei in ihrer tiefen Symbolik, sie erinnern uns an alle Tugenden, die uns als Freimaurer charakterisieren sollen. Wir wollen durch unser SEIN unsere GESINNUNG LEBEN:

Toleranz, Duldsamkeit, Gerechtigkeit, Verständnis und Hilfe gegenüber Schwächeren, einfach Nächstenliebe, sowie stets sinnvolles Bemühen, und vor allem – uneigennützige Liebe, Bruderliebe – wollen wir praktizieren.

Auf Grund seiner langen Erfahrung und seines klugen und bewussten Wirkens, weiß der Meister seine Lehrlinge und Gesellen zu führen und zu lenken, und sie in ihrem individuellen Bemühen zu unterstützen, ohne sich menschlich  ÜBER seine Brüder zu erheben, weshalb ihm unsere Achtung zukommt.

Das Wohl seiner Mitbürger und gelebte Humanität sollen sein Wahlspruch sein. Und wenn er mit sich selbst zufrieden sein kann, weil er sich innerer Freiheit erfreut und seinen Freimaurerbrüdern ein achtbares und förderndes Beispiel ist, wird er seine Brüder zu Höherem inspirieren. Getrost kann er da – zusammen mir seinen Brüdern – mit Goethes Worten sagen : Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.

 

In Liebe und Treue zu unser Bruderschaft – der Loge EUROMASON – danke ich euch für all das Schöne und Erhebende, das ich mit euch erleben darf.

  

Euer Br. Birger O.